Dogern kennen lernen – Dorfführung mit dem Freundeskreis!

Ein persönlicher Bericht von Lennart Nickel über ein außergewöhnlichen Spaziergang!

Genauso kurzfristig wie das Landratsamt teils Gemeinden Flüchtlinge zuteilt, erfuhr ich von der anstehenden Dorführung für die Dogerner Asylbewerber. Herr Winkler aus Dogern organisierte und führte die kleine Prozession, die nach einigen Minuten vor der Gemeinschaftsunterkunft („Haus Rheinblick“) versammelte durch unser Dorf. Vor allem waren einige Bewohner des „Hauses Rheinblick“, die schon über persönliche Kontakte mit den paar anwesenden Mitgliedern des Freundeskreis Asyl Dogern verfügten, bereit, den doch längeren Spaziergang anzugehen. Ein Großteil der Bewohner bevorzugte es allerdings „zuhause“ zu bleiben – zu unserer Enttäuschung, da sie so informative Stunden verpassten.
Nichtsdestotrotz und wegen des wunderbaren Frühlingswetters machten wir uns zu zwölft auf den Weg. Herr Winkler baute immer wieder Stopps an wichtigen Punkten im Dorf in seine gut vorbereitete Führung ein. Es ging ihm hier merklich weniger um historische Ereignisse, sondern viel mehr um praktische Tipps für das Leben in Dogern. Während seinen kleinen Vorträgen hörten alle Spazuiergänger interessiert zu und stellten gegebenenfalls weitere Fragen. Das wertvolle an dieser ganzen Aktion war aber mehr das Miteinander-Sein und Reden, sowie das Kontakte knüpfen zwischen uns Freundeskreislern und den Asylbewerbern. Da viele von ihnen aus Albanien und Umgebung stammten, war es ein Glücksfall, dass uns Ermira, Schulkollegin des Autors, mit dolmetscherischen Fähigkeiten zur Seite stand. Aber auch die Kommunikation mit allen weiteren, nicht albanisch und (noch-) nicht deutschsprachigen erwies sich als kein gravierendes Problem. Ein bisschen Englisch und hir und da die Hand oder der Fuß reichten aus, um einen sehr unterhaltsamen Mittag zu verbringen. Die kulturellen Unterschiede waren mehr Auslöser für angeregte Unterhaltungen und den ein oder anderen Spaß (beispielsweise lernte ich das albanische Äquivalent für das deutsche Schimpfwörtchen „dumme Kuh“ kennen, nämlich „speca të vogla“ (zu deutsch: kleine Paprika) als ein Hindernis.
Dass eine solch bunt gemischte Gruppe nicht alltäglich ist, spürten wir jedoch immer wieder an belebten Plätzen wie dem Edeka oder dem Bahnhof, wenn einige Dogerner uns neugierig musterten. Angesprochen auf unser Vorhaben löste sich diese beinahe misstrauische Stimmung allerdings schnell in Verständnis und Begeisterung auf, was uns sehr freute. Am Kolpingsspielplatz war die Hälfte der Tour geschafft und es gab von Herrn Winkler organisierte Snacks und Getränke. Nach ein bisschen Herumtollen und einem Gruppenblid ging es auch schon weiter. Gerade die Stopps an den drei Spielplätzen sorgten bei allen, aber besonders bei den jungen Asylbewerbern für erfreute Gesichter, sind solche Momente doch schöne Abwechslung vom sonst eintönigen Alltag in der Gemeinschaftsunterkunft. Nach 3 tollen, interessanten Stunden standen wir wieder vor dem „Haus Rheinblick“. Bevor jedoch an Abschied zu denken war, lud uns Familie Kurtay aus dem Kosovo noch auf eine Tasse Kaffee auf ihr Zimmer ein. Aus 10 Minuten wurde eine Stunde und diese Geste des Dankes für die Tour verstärkte unsere gegenseitige Wertschätzung noch einmal, wodurch wir uns schlussendlich als Freunde verabschiedeten.

Dieser Tag, steht gewissermaßen stellvertretend für unsere Arbeit als Freundeskreis Asyl Dogern. Vieles, was geplant ist, kommt spontan doch ganz anders, nicht immer kann man die Leute auf beiden Seiten motivieren, daran zu arbeiten, die kulturellen Unterschiede in funktionierende und wertvolle kulturelle Vielfalt zu transformieren, nur durch Aufklärung und persönliche Gespräche kann man auch noch mehr Dogerner dazu bewegen, unvoreingenommen und positiv über die Flüchtlinge zu denken und im Idealfall zu handeln. Enttäuschungen, wie die geringe Beteiligung werden aufgewogen durch neue Freundschaften und interessante Gespräche. Denn ohne den ersten Schritt zu wagen, wie Herrn Winkler, der ohne aktives Mitglied zu sein, diese Dorfführung erst möglich gemacht hat, ohne seinen eigenen Schatten zu überspringen und sich auf Fremde(s) einzulassen, wird die Unterbringung und Integration von Flüchtlingen das bleiben, wozu viele Medien es machen: Ein Problem.
Getragen von Erlebnissen wie den eben beschriebenen, versuchen wir vom Freundeskreis die Bewohner im „Haus Rheinblick“ als Chanche für unsere Dorfgemeinschaft zu sehen.

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